Herausforderungen der Daseinsvorsorge für die ländlichen Räume

Die Sicherstellung von Versorgungsangeboten ist im Flächenland Niedersachsen ein wichtiges Zukunftsthema. Der demografische Wandel verändert die Altersstrukturen: Die Gesellschaft wird älter, gleichzeitig nimmt die Mobilität ab. Das hat Folgen für die Versorgungsangebote in den Gemeinden, zum Beispiel in der ärztlichen Versorgung oder im Pflegebereich. Es betrifft aber auch soziale Beratungsangebote oder Begegnungsorte. Auch junge Familien stehen dadurch zunehmend vor Herausforderungen. Viele Kommunen stehen in den ländlichen Räumen vor der Herausforderung, eine funktionierende Daseinsvorsorge-Infrastruktur vorzuhalten.

Versorgungsangebote in Regionalen Versorgungszentren bündeln

Im Rahmen des Modellprojekts Regionale Versorgungszentren (RVZ) werden derzeit an fünf Standorten in Alfeld (Leine), Nordenham, der Wurster Nordseeküste/Nordholz, der Gemeinde Auetal und der Samtgemeinde Baddeckenstedt Versorgungszentren aufgebaut, um diesen Herausforderungen zu begegnen. In den RVZ sollen Dienstleistungen zur Daseinsvorsorge an gut erreichbaren Orten gebündelt werden. Die Basis der RVZ bildet ein kombiniertes Angebot aus hausärztlicher Versorgung und unterschiedlichsten Angeboten aus dem Bereich der Daseinsvorsorge. Das können beispielsweise Tagespflege und Beratungsangebote sein – von der Familien- über die Senior*innen- und Pflege- bis hin zur Suchtberatung, Hebammendienste oder Präventionskurse, Ergo-, Logo- oder Physiotherapie, haushaltsnahe Dienstleistungen oder auch ein Café als Treffpunkt zum Austausch, Multifunktionsräume z.B. für Nachbarschaftsinitiativen oder Fahrdienste. Was genau am jeweiligen Standort benötigt wird, legen die Akteure vor Ort fest. In jedem Fall soll mit den RVZ eine attraktive und an den praktischen Bedürfnissen der Menschen orientierte Infrastruktur geschaffen werden.

Geschäftsführer Klaus Kubitschke

Geschäftsführer Klaus Kubitschke (Samtgemeindebürgermeister von 2016-2021) leitet das neue RVZ Baddeckenstedt

Ein wesentlicher Teil des Konzepts ist die Einbindung eines hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in kommunaler Trägerschaft. Die MVZ sollen einen Beitrag zur hausärztlichen Versorgung der Region bringen, denn in den ländlichen Räumen bestehen an vielen Stellen zunehmend Schwierigkeiten, diese zu gewährleisten. In den MVZ sollen Arzt*innen Anstellungsmöglichkeiten mit attraktiven und flexiblen Arbeitszeiten eröffnet werden. Es soll ein interdisziplinärer und sektorenübergreifender Austausch stattfinden und es sollen Möglichkeiten der Telemedizin eingebunden werden. Unsere Hausärzte Friederike Prinzing und Claas Simmert haben zum 1.7.2022 ihre Selbständigkeit aufgeben und sind in ein Beschäftigungsverhältnis zum Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) gewechselt.

Für die Patienten*innen wird sich nicht ändern. Das vorhandene Ärztehaus wurde vom RVZ erworben.

In Burgdorf werden zudem Praxisräume geschaffen. Die erforderliche Baugenehmigung für die Umbaumaßnahme im Gebäude Baderkamp 2 im Ortsteil Burgdorf liegt zwischenzeitlich vor.

Das RVZ soll im Gebäude der Sparkasse Hildesheim errichtet werden. Die Sparkasse hat die Filiale in Baddeckenstedt im September 2022 geschlossen und wird nun im Gebäude einen separaten SB-Bereich errichten. Auch dieses Gebäude wird vom RVZ erworben und bedarfsgerecht umgebaut.

Wer steht hinter dem Modellprojekt?

Das Modellprojekt wird durch das Niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Landesentwicklung gefördert und durch die Landkreise Wolfenbüttel und die Samtgemeinde Baddeckenstedt umgesetzt. Ein Lenkungskreis unter Mitwirkung der kommunalen Partner vor Ort sowie des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, des Niedersächsischen Landkreistages, des Niedersächsischen Städtetages und des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, der AOK, dem vdek und der Bundesanstalt für Arbeit begleitet die Arbeiten.